Junge Union  Kreisverband Braunschweig
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News-Ticker



Ich bin in der Jungen Union, weil in einer Demokratie staatsbürgerschaftliches Engagement von elementarer Bedeutung ist. Nur wer etwas tut, kann auch etwas ändern.
Alexander Schneider
Archiv
18.05.2009, 23:22 Uhr | Übersicht | Drucken
Jugendliche im Alkoholrausch
Podiumsdiskussion zur Alkoholproblematik in der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule


Braunschweig. Laut diesjährigem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung gibt der übermäßige Alkoholkonsum von Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren Anlass zur Sorge. Untersuchungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ergaben, dass im Jahr 2008 jeder fünfte Jugendliche dieser Altersgruppe schon Erfahrung mit Rauschtrinken (Binge Trinken) - monatlicher Konsum von fünf oder mehr Gläsern Alkohol hintereinander - gemacht hat.


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Dadurch wird die gesundheitliche und psychosoziale Entwicklung Heranwachsender geschädigt. Alleine in Braunschweig wurden 160 Jugendliche unter 18 Jahren mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus Holwedestraße eingeliefert. Bundesweit waren es im gleichen Jahr 23 000 der 10 bis 20 jährigen, wie die Süddeutsche Zeitung im Artikel Schwieriger Kampf gegen das Komasaufen“ berichtet. Dieses entspreche einem fast 150% Anstieg im Vergleich zur Ersterhebung dieser Kennzahl aus dem Jahr 2000.

Vor diesem aktuellen Hintergrund lud die Junge Union (Claas Merfort) und die Frauen Union (Frau Schneider) zu einer Podiumsdiskussion mit Berufspraktikern ein. Bei dieser sehr interessanten Veranstaltung fiel aber leider auf, dass viele der aufgestellten Stühle leer blieben.

Frau Freudenstein vom Gesundheitsamt eröffnete die Runde. Sie referierte über Alkoholkonsum in den 10. Klassen aus der Studie „… weil es schmeckt“, die im Jahr 2006 erschien. Hierzu hatte der Arbeitskreis Suchtprävention 540 Schüler und Schülerinnen im Alter von 15 und 16 Jahren an Braunschweiger Schulen befragt. Fazit, mit ansteigendem Alter nimmt wöchentlicher Alkoholkonsum zu. Gaben 40,6% der 15 jährigen an, jede Woche oder öfter zu trinken, wird dieses schon von der Hälfte der Befragten 16 jährigen bestätigt (50,6%). Hingegen gibt ein gleichbleibend niedriger Anteil der Befragten an (3,8% bzw. 3,9%) nie Alkohol zu trinken. Dies entspricht der Referentin zufolge  1 bis 2 Schülern pro Klasse. Auch zeigt die Studie, dass zwischen dem Rauchen von Zigaretten und dem extensiven Genuss von Alkohol ein Zusammenhang besteht. Dieses zu tun bejahten 70% der Befragten.

Herr Germershausen berichtete unterdessen von seiner Tätigkeit als Jugendberater. So wären im vergangenen Jahr mit 35 Jugendlichen, zeitnah zu ihrem Krankenhausaufenthalt, einstündige Jugendberatungen durchgeführt worden. Ziel dieser Gespräche sei es gewesen, dass die Heranwachsenden ihr eigenes Verhalten reflektierten und sich mit ihrem Alkoholexzess bewusst auseinandersetzten. Selbst sie, so zeigt die Braunschweiger Studie, nehmen den Zustand des Betrunkenseins als peinlich wahr (21%), bzw. lehnen es ab nach Alkohol zu riechen (15,8%). Andere Gründe, nicht Alkohol zu trinken, sind bei möglicher Mehrfachnennung die potentielle Suchtgefahr (27,6%) oder sportliches Engagement (25,4%). Andererseits hat sich dem Berater zufolge aus den Gesprächen mit Jugendlichen ergeben, dass ihnen teilweise gar nicht bewusst war, wie sich übermäßiger Alkoholkonsum auf ihre körperliche Verfassung auswirkte.  Zu fehlerhaften Selbsteinschätzungen habe auch Ihr Nichtwissen über die unterschiedlich intensive Auswirkung von hochprozentigem Alkohol oder Sekt geführt. Um diesem Umstand vorzubeugen, setze die Präventionsarbeit der Kriminalpolizei, laut Hauptkommissarin Jäger, in den Schulen an. Durch Überschlagssimulatoren und Rauschbrillen sollten Schulkindern ein ähnliches Körpergefühl vermittelt werden, wie unter Alkoholeinfluss. Darüber hinaus setze die Polizei auf stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit, wie z.B. an einschlägig bekannten Plätzen in der Innenstadt oder bei Festivitäten, wie der Schools Out Party im Bürgerpark oder bei Volksfesten. Ihre Arbeit, bestehe aber auch darin, so die Hauptkommissarin, begangene Gewaltexzesse unter Alkoholeinfluss strafrechtlich zu verfolgen. Grundsätzlich ergehe aber beim Aufgriff stark alkoholisierter Jugendlicher eine schriftliche Mitteilung an das Jugendamt.

Als einen Grund für den zunehmenden Alkoholkonsum nimmt Frau Jäger gruppendynamische Prozesse wahr. Das Trinken von Alkohol sei ein Cliquenphänomen. Förderlich dafür sei der hohe Organisationsgrad von 80% bis 90% der Jugendlichen in Jugendkulturen (Punk-, Gothik Szene), die sich durch ihr auffälliges öffentliches Erscheinungsbild bewusst von der Erwachsenenwelt absetzten und deren Normen skeptisch gegenüberständen. Herr Germershausen fügte hinzu, dass aus seiner Erfahrung zunehmender schulischer Leistungsdruck dazu führe, vermehrt Alkohol in Stresssituationen zu trinken. Alkohol komme insofern eine Ventilfunktion zu. Dafür spreche, dass, unabhängig von Schulform und sozialer Schicht, Alkoholkonsum von Abiturienten bis hin zu Hauptschülern weit verbreitet sei. Jedoch war sich die Runde einig, dass gesellschaftliches Wegschauen, wie heutzutage üblich, nicht zu einer Problemlösung beitrage. Stattdessen müsse hier ein Umdenken - hin zu einem beherzten Eingreifen - erfolgen. Mit dem Appell, bereits bestehende Präventionsangebote auszubauen sowie eines sensibleren Umgangs mit dem Thema Alkohol in Gesellschaft und Politik schloss Frau Freudenstein die Gesprächsrunde.


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